| Kurz
und bündig |
- Bereits vor der
Zeit Karls des Großen wurden Kraniche, wie heute Hunde, als
Wächter des Hauses gehalten, da sie bei der Annäherung von
Raubwild oder Greifvögeln laut warnend trompeteten.
- Kraniche leben in
Dauerehe. Nach dem Verlust eines Partners sucht der verbliebene
Altvogel oft wochenlang nach seinem Gefährten.
- In
Mecklenburg-Vorpommern ist etwa die Hälfte aller
Kranichbrutpaare Deutschlands beheimatet. Das Bundesland hat
daher eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art.
- Viele Tausend
Besucher kommen alljährlich zur Rastzeit des Kranichs in die
Nationalparkregion. Der Kranich ist hier zum wichtigen
Wirtschaftsfaktor geworden.
- Auf dem Zug können
vermutlich Strecken von mehr als 2.000 Kilometern im Nonstopflug
zurückgelegt werden. Normal sind jedoch Tagesetappen von einigen
10 bis einigen 100 Kilometern.
- Mit Rückenwind
erreichen Kraniche Fluggeschwindigkeiten über 100 km/h.
- Kraniche ziehen
meist in der charakteristischen v-förmigen Keilformation. Das
reduziert den Luftwiderstand und damit den Energieverbrauch.
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Der Kranich als Brutvogel
Nicht nur durchziehende, sondern auch brütende Kraniche gibt es im
Nationalpark. Zur Brutzeit ist der Kranich heimlich und sehr
störungsempfindlich. Wenn Sie ihm eine erfolgreiche Brut wünschen, tun Sie
gut daran, nicht auf die Suche nach seinem Nest zu gehen. Um nicht entdeckt
zu werden, legen sich brütende Kraniche sogar eine regelrechte Tarnbemalung
zu. Mit Hilfe von aufgestrichenem Bodenmaterial färben sich brütende
Weibchen das eigentlich graue Rückengefieder zu einem unauffälligem Braunton
um.
Kraniche brauchen als Brutgebiet ruhige, wasserüberstaute Bruchwälder und
Moore. Das Wasser gewährleistet einen weitgehenden Schutz des am Boden
befindlichen Nestes vor Feinden.
Die Jungvögel sind erst einige Tage nach dem Schlüpfen vor Feinden relativ
gut geschützt. Sie sind dann zwar immer noch ziemlich wehrlos, aber deswegen
noch lange nicht ausgeliefert: Als flinke Sprinter verlassen sie bei Gefahr
blitzschnell die Gefahrenzone und sind im Unterholz verschwunden. Außerdem
bleiben die Eltern ständig in der Nähe, um zu warnen und die Jungen
gegebenenfalls zu verteidigen.
Das Sammeln und Rasten
Der bedeutendste Rastplatz in Deutschland befindet sich an der Ostseeküste
in der Rügen-Bock-Region. Große Rastplätze sind auch von der unteren Oder,
der Mecklenburgischen Großseenplatte (z. B. die Müritz und die Langenhägener
Seewiesen), dem Rhinluch und Havelländischem Luch (z.B. Linumer Fischteiche
und Nauen) sowie seit einigen Jahren aus der Oberlausitz bekannt. Weitere
Rastplätze mit Ansammlungen von einigen hundert bis zu rund eintausend
Kranichen gibt es im südöstlichen Schleswig-Holstein, in Niedersachsen und
in Hessen.
Das Zentrum eines Rast- oder Sammelplatzes bilden ein oder mehrere
Schlafplätze. Sie befinden sich in Gewässern mit Flachwasserbereichen, in
denen die Kraniche nachts stehend schlafen. Tagsüber suchen die Tiere auf
nahe gelegenen Ackerflächen nach Nahrung.
Zwischen Ende Oktober und Anfang November ziehen die Kraniche aus
Mitteleuropa ab. In milden Wintern bleiben gelegentlich kleinere
Kranichtrupps in Deutschland.

Die Bedeutung der Rügen-Bock-Region als Rastplatz
Die Rügen-Bock-Region ist der bedeutendste Kranichrastplatz in Mitteleuropa.
Etwa die Hälfte der gesamten Population des westeuropäischen Zugweges rastet
hier. Im Herbst sind es bis zu 40000 Kraniche aus Skandinavien, dem Baltikum
und Polen gleichzeitig.
Seit den 1970er-Jahren hat sich die Anzahl der Vögel auf Grund gut
geschützter Schlafstellen und verstärktem Getreide- und Maisanbau auf extrem
großen Schlägen ständig erhöht. Die Rastkapazität ist nun offensichtlich
erreicht. An den Schlafplätzen der Bock-/Werder Inseln schlafen bis 25000,
auf Rügen bis 14000 und auf der Insel Kirr bis zu 8000 Kraniche. Seit Beginn
der neunziger Jahre stagniert die Rastzahl bedingt durch die Veränderungen
in der Landwirtschaft. Da heute - im Gegensatz zu früher - mit modernen
Maschinen fast verlustfrei gearbeitet wird, sind Ernterückstände auf
Stoppelfeldern, von denen sich die Rastvögel ernähren, gering.
Der eindrucksvolle Überflug am Morgen und Abend
Nachts schlafen die Kraniche stehend in den flachen Gewässern des Boddens
(Flachwasserzone der Ostseeküste). Hier sind sie vor Bodenfeinden sicher.
Morgens fliegen sie in langen Ketten zu den Nahrungsflächen, abends kehren
sie zum Schlafplatz zurück.
Die
Schlafplätze sind uneingeschränkt zu schützen. Störungen verunsichern die
Vögel, trennen Eltern von ihren Jungen, und eine Flucht verursacht einen
zusätzlichen Energieverbrauch, der durch vermehrte Nahrungsaufnahme
ausgeglichen werden muss. Bei stärkeren Störungen werden Schlafplätze völlig
aufgegeben.
Auf das beeindruckende Naturschauspiel des abendlichen oder morgendlichen
Fluges zum oder vom Schlafplatz brauchen die Besucher trotzdem nicht zu
verzichten. Am besten können Sie die Kraniche von den empfohlenen
Aussichtspunkten
aus beobachten. Gleiches gilt für die Beobachtung der Kraniche auf ihren
Nahrungsflächen.
Aussichtspunkt Tankow/Ummanz -
Lageplan
Wenn Sie Kraniche auf einem Feld oder einer Wiese entdecken, bleiben Sie
bitte in Ihren Fahrzeugen, da die Rastvögel eine große Fluchtdistanz von
mindestens 300 Meter haben. Beobachter im Auto tolerieren die Kraniche auch
aus geringerer Entfernung. Sobald
Sie aber aussteigen, fliegen sie auf und davon.
Energiereserven für den Flug ins Winterquartier
Für den mehrere tausend Kilometer langen Zug in die Winterquartiere
benötigen die Kraniche Energiereserven, die in Form von Fettdepots während
der Rast durch energiereiche Nahrung angelegt werden.
Die Kraniche fliegen von den Schlafplätzen aus bis zu 30 Kilometer ins
Land hinein, um Mais- und Getreidestoppelfelder sowie Neusaaten von Gerste
und Weizen zu finden. Auf Flächen mit gutem Nahrungsangebot versammeln sich
Hunderte bis Tausende Kraniche. Ein Kranich nimmt täglich 200 bis 300 Gramm
Getreide auf.
Zug der Kraniche in Europa
Die europäischen Brutpopulationen ziehen auf unterschiedlichen Routen in
ihre Winterquartiere. Der osteuropäischen Zugweg führt Kraniche aus
Finnland, dem Baltikum, Polen und Westrussland über Ungarn nach
Nordostafrika. Den westeuropäischen Zugweg nutzen Kraniche aus Mitteleuropa,
Skandinavien sowie in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend auch aus den
baltischen Staaten, aus Finnland und Weißrussland. Ihre Überwinterungsgebiete
liegen in Frankreich, Spanien und zu einem geringen Teil in Nordafrika.
Der Frühjahrszug der Kraniche geht rascher und zielstrebiger voran als der
durch wochenlange Rastperioden unterbrochene Zug im Herbst. Zwischen Mitte
März und Anfang April legen 5000 bis 8000 Kraniche gleichzeitig in der
Rügen-Bock-Region einen Zwischenstopp ein, bevor sie die Ostsee überqueren.
Ein weiterer wichtiger Rastplatz für viele tausend Kraniche auf ihrem Zug
nach Norden ist der Hornborgasee im schwedischen Västergotland.
Die Vögel fliegen oft viele hundert Kilometer pro Tag und überwinden
Entfernungen von insgesamt mehreren tausend Kilometern auf dem Weg in ihre
Winterquartiere und zurück.

Überwinterung
Auf der westeuropäischen Zugroute überwintern heute etwa 65000 bis 70000
Kraniche in Spanien, 30000 in Frankreich sowie jeweils wenige tausend Vögel
in Portugal und Nordwestafrika. Noch 1970 wurde Marokko als wesentliches
Überwinterungsgebiet angesehen. Änderungen in der Landnutzung durch
verstärkten Mais- und Reisanbau,
milde
Winter und verbesserte Schutzbedingungen an den Rastplätzen führten zur
Verlagerung der Überwinterung nach Norden. Inzwischen verbringen bereits
etwa 8000 Kraniche den Winter am Lac du Der Chantecoq im Nordosten
Frankreichs. Weitere 22000 bleiben in Südwestfrankreich. In der Laguna de
Gallocanta, einem flachen Salzsee in der Hochebene Nordostspaniens
überwintern ca. 5000 Vögel. Hauptüberwinterungsregion ist zur Zeit mit etwa
50000 Kranichen die Extremadura in Westspanien. Dort suchen die Vögel in den
"Dehesas", den lichten mediterranen Eichenwäldern, nach den Früchten der
Stein- und Korkeichen. Diese traditionell genutzten Wälder sind das Ergebnis
einer Jahrhunderte langen extensiven Landnutzung. Sie erinnern mit ihren
durchschnittlich 40 bis 50 Bäumen je Hektar auf Weideland oder Getreide an
eine weitläufige Parklandschaft. Den Winter verbringen Kraniche in kleinen
sozialen Verbänden, als Fressgemeinschaften mit meist weniger als 50 Vögeln
oder als Familienverband. Die Vögel öffnen die harte Schale der Eicheln mit
dem Schnabel und fressen das etwas bitter schmeckende Fruchtfleisch. Auch
die dunklen iberischen Hausschweine werden zu dieser Zeit zur Mast in die
Eichenhaine getrieben.
Neben diesen traditionellen Nahrungshabitaten nutzen inzwischen bis zu 20000
Kraniche die intensiven Mais- und Reisanbauflächen im Gebiet von Navalvillar
de Pela zur Nahrungssuche.
Eine gemeinsame Aufgabe
Kraniche sind heute überall durch Lebensraumzerstörung bedroht. Als
wandernde Tierart können sie nur durch grenzübergreifende Konzepte, z.B.
internationale Abkommen wie die "Bonner Konvention" (Übereinkommen zur
Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten), Gesetze und
Zusammenarbeit, dauerhaft geschützt werden.
In Ost- und Südeuropa sowie in Nordafrika muss für den Schutz der
Überwinterungsplätze gesorgt werden. Die Bemühungen um sichere
Winterquartiere außerhalb Deutschlands beginnen bereits in Lothringen, wo
kleinere Trupps häufig die kalte Jahreszeit verbringen. Die Bewahrung
traditioneller Landnutzungen wie in den "Dehesas" und in Osteuropa ist
angesichts der fortschreitenden Entwicklung einer intensiven Landwirtschaft
eine gemeinsame, europäische Aufgabe.
